"Puts on her best smile, but underneath she's a broken girl."

Sonntag, 3. Juni 2012

Oh, baby. My sweet baby.


Kurt Cobain sang sich in mein Gehirn. Die Textzeilen verankerten sich irgendwo zwischen meinen Synapsen. Ich drehte das Radio auf, was mir einen fragenden Blick von Andrew einbrachte. Ich zuckte nur mit den Schultern und versank wieder in der Musik, welche mich an sich fesselte.
Natürlich hatte ich die Tagebücher vom Frontmann von Nirvana gelesen. Sein unerwarteter Suizid hatte mich fasziniert. Komisch eigentlich, dass mich sein Tod so interessierte. War wohl schon immer etwas melancholisch angehaucht.
„Wir sind da“, sagte Andrew und fuchtelte vor meinem Gesicht herum. Ich hatte gar nicht bemerkt, dass wir bereits angekommen waren.
Ängstlich blickte ich in die Dunkelheit hinaus bevor ich ausstieg und den kurzen Weg zur Haustür rannte.
„Du musst keine Angst mehr haben“, erklärte er mir als er neben mir stand. Er nahm meine Hand und schloss die Tür auf. Im Treppenhaus war es stockfinster. Mit beiden Armen klammerte ich mich an Andrew während er nach dem Lichtschalter tastete. Er drückte einmal, ein zweites Mal aber nichts passierte.
„Verdammt“, entfuhr es meinen bis eben fest zusammengepressten Lippen.
„Es ist  nur dunkel. Sonst nichts“, versuchte Andrew mir meine Paranoia auszureden. „Und es gibt auch kein Monster, das dich zerfleischen wird.“
Doch sobald ich auf der ersten Stufe stand, erfüllte meine Nagst meinen gesamten Körper. Zumindest fühlte es sich so an. Es war wie ein riesiges schwarzes Loch, was mich von innen heraus auffraß.
Andrew schob mir einen Arm unter die Kniekehlen, den andren unter meinen Oberkörper und trug mich bis in die Wohnung. Dort verkroch ich mich in meinem Bett.
Sowie ich meine Augen schloss, sah ich die Szene in dem beschissenen Club vor mir. „Hau ab, du Dreckskerl“, schrie ich. Anscheinend so laut, dass Andrew zu mir eilte. Sanft wiegte er mich in seinen Armen. Hin und her. Die gelichförmige Bewegung schläferte mich ein und ich glitt in einen traumlosen Schlaf.

Samstag, 26. Mai 2012

Wie solls weitergehen?


Pünktlich um 15 Uhr saß ich bei meiner Therapeutin. Ich überkreuzte meine Beine, wippte mit dem Fuß hin und her. Sie zog einen Zettel aus ihrem Papierturm und setzte sich mir gegenüber. Aber sie wirkte reserviert, ja geradezu um Distanz bemüht. Und das verunsicherte mich.
„Wie geht es Ihnen?“, begann meine Therapeutin das Gespräch und blickte mich an, darauf wartend, dass ich die Wahrheit sagte.
„Nicht so besonders gut.“
Sie nickte, schob sich eine Haarsträhne hinters Ohr, die sich aus ihrem Dutt gelöst hatte. Ich rutschte weiter an die Sessellehne heran umso den Abstand zwischen uns zu vergrößern.
„Führen Sie noch autoaggressive Handlungen aus?“ Die braunen Augen guckten mich unruhig an und fingen die kleinste Regung ein.
„Ja, verdammt“, fuhr ich sie an.
Sie öffnete ihre Hand und hielt mir ein blaues Gummiband hin. Als ich mich nicht regte, schob sie es mir übers Handgelenk und ließ es einmal schnippen. „Das gehört zu den Skills. Dinge, die Sie machen können um das Schneiden zu verhindern.“ Irritiert guckte ich auf das schmale Band. Das soll mir helfen, mich wirklich davon abhalten?
Sie schien meinen unsicheren Ausdruck zu bemerken und reichte mir einen Zettel. Um genauer zu sein, eine Liste. Mit verschiedenen Skills. Ich ließ meinen Blick über die Wörter fliegen während sie mich genau beobachtete und auf eine Reaktion meiner Seite hoffte.
Ich ließ das Blatt auf meinen Schoß sinken und erklärte ihr: „Ich werde es probieren, aber ich kann nicht versprechen dass es mich abhalten wird.“
„Das erwarte ich auch gar nicht. Ich möchte, dass Sie sich bewusst werden, dass es andere Möglichkeiten gibt den inneren Druck abzubauen.“
Das leuchtete mir ein. Ich lächelte ihr dankbar zu. Und während sie es erwiderte schmolz die kühle und angespannte Atmosphäre dahin wie Eis.
„Sie müssen lernen Verantwortung zu übernehmen. Für sich selbst, Ihre Gedanken, Ihr Verhalten und schlussendlich auch Ihr Leben. Und am besten fangen Sie bei ihrem Verhalten an.“

Eine halbe Stunde später befand  ich mich vor der Praxis, meinen iPod in den Ohren. Ich blieb kurz stehen, drehte mich ein paar Mal im Kreis und lief über die Straße. Ohne nach links und rechts zu gucken. Eis lautes Quietschen. Ich hörte vage wie mich jemand mit Ausdrücken bombadierte und dann weiterfuhr. Verwundert blickte ioch dem schwrazen Audi hinterher und schob mir meine Kopshörer noch tiefer in die Ohren.
Life is no nintendo game.
Ein kurzer Gedanke leuchtete auf und krallte sich in meinem Gehirn fest. Verantwortung zu übernhemen hieß sich selbst vertrauen zu können. Und das musste ich erst noch prüfen. Ich verließ den schwarzen Asphalt der Straße und lief auf dem Gehweg zur Autobahnbrücke.

 Wie solls weitergehen?

Donnerstag, 17. Mai 2012

Welches Versprechen soll sie ihm geben?


Ich zog das Küchenmesser unter dem Kopfkissen hervor und stach es mir wieder und wieder in die Wunde um sie zu vertiefen. Gedämpft hörte ich Schritte. Ich legte das Messer schnell zurück und betrachtete den tiefen Schnitt, welcher an meiner linken Pulsader klaffte.
Andrew erschien im Türrahmen, riss erschrocken die Augen auf und drehte sich wieder um. „Ich rufe einen Notarzt!“, schrie seine erregte Stimme. Viel zu schwach um mich zu wehren ließ ich es geschehen.
Andrew warf sein Handy in hohem Bogen durchs Zimmer und eilte mit einem Verband auf mich zu. Warum möchte er mich retten? Ich habe es doch gar nicht verdient zu leben. Er band mir am Oberarm das Blut ab und stillte mithilfe der Bandage die Blutung.
„Bitte hör auf.“ Abrupt hielt er inne. „Ich möchte nicht mehr, es geht nicht.“ Er lauschte meiner fast unhörbaren Stimme und zog währenddessen den Verband fester. „Lass das.“
Ein wildes Klingeln unterbrach Andrew bei seiner Arbeit. „Du kannst mich doch nicht ins Krankenhaus verfrachten“, wimmerte ich.
„Das werde ich auch nicht, mein Engel. Du bist stabil, wirst nicht verbluten.“ Na toll. Er eilte zur Tür.
„Ich habe die Situation im Griff“, hörte ich Andrew sagen. Ein leises Gemurmel, dann wurde die Tür geschlossen und er rief mir zu: „Ich habe ihn weggeschickt. Aber nur weil ich höchstpersönlich dafür sorgen werde, dass du deinen Arm in Ruhe lässt.“ Er schmiss ein Kissen auf den Boden und breitete eine Decke aus. Ich ließ den Kopf in mein Kopfkissen sinken. Verdammte Scheiße.
Mit einem Scheppern fiel das Messer zu Boden. Ungläubig starrte Andrew mich an. „ Sag, dass das nicht wahr ist. Du hast den Schnitt tiefer gemacht damit du verblutest?!“ Seine Tonlage schwankte, seine Hoffnung in mich ebenfalls. Wutentbrannt klemmte er sich sein Bettzeug unter den Arm.
„Lass mich nicht alleine. Bitte. Bleib hier. Ich brauche dich doch.“ Wortlos schaute er mir ins Gesicht. „Du bist das letzte Stück Zuversicht, an das ich mich klammere. Ohne dich bin ich verloren.“
Andrew setzte sich auf die Bettkante und streichelte mir über die Wange. „Nur wenn du mir ein Versprechen gibst.“
Welches Versprechen soll sie ihm geben?

Sonntag, 13. Mai 2012

born to die


Ich hatte mich ins Badezimmer verzogen. Meine Klamotten lagen auf dem Boden verstreut. Das Wasser plätscherte in die Wanne. Langsam legte ich mich hinein und nahm die Klinge vom Rand.
Nur ein Schnitt, ein ganz kleiner.
Er hämmerte gegen die Tür. „Komm da raus!“
„Nein!“
Ich hörte ihn etwas fluchen. Ich zog die Klinge durch meine Haut, beobachtete wie meine Haut sich öffnete, sich spaltete. Blut floss aus dem Schnitt heraus, färbte das Wasser rötlich. Im Rhythmus meines Pulsschlages kam ich dem Tod näher und näher. Ich ließ die Klinge auf die Fliesen fallen. Ich tauchte meinen Zeigefinger in die Wunde und schmierte etwas an den Badewannenrand.  Es war für Anna und Andrew. Ein einziges Wort, mein letztes Wort. Kaputt. Meine Muskeln erschlafften und ich glitt tiefer in das Wasser. Verschwommen nahm ich wahr wie auf einmal Andrew im Raum stand.
„Verdammt.“ Er kam zu mir und hob mich aus der Badewanne. Das Wasser tropfte  auf den Boden. Mein Arm brannte wie Feuer. „Warum? Warum, Sophie?“, hörte ich seine Stimme wie durch Watte. Dann knickte mein Kopf nach hinten ab und mein Bewusstsein schwand.

Als ich meine Sinne wiedererlangte lag ich im Bett, eingekuschelt in eine dicke Decke. Andrew saß neben mir und strich mir beruhigend über die Hand. Mein Arm war mit einem Handtuch verbunden.
„Warum, Süße? Warum?“ Seine Worte waren ein leises Flüstern. Es glitt hinaus in die Dunkelheit und legte sich über mich. Gedanken zuckten durch meinen Kopf. Wie in einer Endlosschleife jagten sie durch mein Gehirn. Ich kann nicht mehr. Kann diese quälenden Gedanken nicht mehr ertragen, sie fressen sich durch meinen Körper, lassen eine leere Hülle zurück. Innerlich bin ich  eh schon tot. Ich möchte nichts mehr fühlen, nichts mehr spüren, nichts mehr denken. Einfach tot sein.
Ich fing an schneller zu atmen, irgendwie hektisch.
„Bleib wach. Bitte bleib bei Bewusstsein.“ Ich war vollkommen abwesend, hörte seine Bitte nur ganz leise. Er presste seine Finger auf meinen Schnitt. Es schmerzte höllisch. Scharf sog ich die Luft ein. „Scheiße.“ Wie in Zeitlupe erreichten mich seine Worte. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, alles kam mir unendlich langgezogen vor. 
„Kein Krankenhaus“, flüsterte ich in den Raum hinein und kämpfte gegen die Erschöpfung, welche mich immer mehr in ihren Bann zog.
Er streichelte mir kurz über die Wange. „Ich bin gleich wieder da. Halte durch.“ Andrew stand auf und lief aus dem Zimmer.
„Cause you and I, we were born to die“, sang ich vor mich hin und löste das Handtuch von meinem Arm.  

Dienstag, 6. März 2012

Flucht.


 Die kühle Abendluft füllte meine Lungen, doch die Leere in mir konnte sie nicht verdrängen.
Ich lief die belebte Straße entlang. Versank in der Menge. Wurde unsichtbar. Obwohl ich mitten unter Menschen war, fühlte ich mich einsam. Ich war wertlos; nur eine von vielen. Ich wurde angerempelt. Ohne mich auch nur eines Blickes zu würdigen lief der Mann weiter.  
Ich fühlte mich verloren. Sehnte mich nach jemandem, der mich an die Hand nahm und durch das Leben führte. Doch so jemanden hatte ich nicht verdient. Ich bog in eine Seitenstraße und fing an zu rennen. Ziellos irrte ich durch die schwach beleuchteten Straßen, in der Hoffnung, so einen klaren Kopf zu bekommen. Meine Schritte knallten auf den Asphalt. Es hörte sich an, als wäre ich auf der Flucht. Auf der Flucht vor mir selbst.

Freitag, 2. März 2012

Lilafarbener Versuch

Ich riss das schwarze Kleid vom Kleiderbügel und nahm mir die gepunktete Strumpfhose heraus. Die beiden Kleidungsstücke, welche ich am liebsten mochte. Schnell zog ich sie über. Beim Anziehen der Strumpfhose riss ich mit meinen Fingernägeln ein Loch hinein. „Ich hasse diese befickte Welt!“ Mein Schrei hallte durch die gesamte Wohnung. Ich stapfte ins Wohnzimmer und schaltete Musik an. Mit zittrigen Händen nahm meine Tasche vom Boden. Ich riss sie auf und schüttete ihren Inhalt auf den Boden. Ich hob die zwei Schachteln Tabletten auf. Gestorben an einer Überdosis Schlaftabletten. Ich ließ die Worte auf meiner Zunge zergehen. Die Vorstellung wie ich tot auf dem Boden lag flammte vor meinem inneren Auge auf.  
 Ich drückte mir eine Handvoll der Pillen aus der Packung. Klein, rund und lila. War lila nicht ‚der letzte Versuch‘?  Scheiß drauf. Ich nahm mir die Flasche Wasser, welche ebenfalls aus der Tasche gefallen war, und begann die ersten Tabletten zu schlucken. Eine nach der anderen.
 Als die eine Packung leer war, wurde mir plötzlich übel und ich rannte auf die Toilette um mich zu übergeben. Ich hockte vor der Kloschüssel mit den Knien auf den harten Fliesen und hielt mir meine Haare aus dem Gesicht. So hatte ich mir das Sterben nicht vorgestellt. Mit wackelnden Knien stand ich auf und wankte zurück. Da eine Packung nicht ausreichen konnte, legte ich die verbliebene gewissenhaft auf meinen Nachttisch. Dann  überkam mich ein unerwarteter Schwindel und ich sank auf den Boden.